3  Objektorientierte Analyse (OOA)

Der objektorientierte Entwurf eines Programmkonzepts besteht aus zwei logisch separaten Tätigkeiten: der objektorientierten Analyse auf der einen Seite und dem reinen objektorientierten Design auf der anderen. Die OOA gibt sich dabei nur dem Erkennen von elementaren Sachverhalten in einem Projektkomplex hin, das OOD dagegen ist der reinen Modellierung dieser Elemente zu einem Programmkomplex gewidmet. Weil beide Prozesse aber in engem Zusammenhang stehen, sich gegenseitig bedingen und ergänzen, bei kleinen Projekten sogar gleichzeitig durchgeführt werden können, erfüllen sie nur zusammen die Funktion des Konzeptentwurfs. Solch ein Konzept wird in den Phasen der Architektur und des Designs entworfen. Sowohl OOA als auch OOD muß jeweils in beiden Phasen wiederholt durchgeführt werden.

3.1 Strategie: Erkennen

Das Ziel der objektorientierten Analyse ist es, alle zur Problemlösung relevanten Informationen, Strukturen und Beziehungen zu erkennen, um sie dementsprechend in einem zweiten Schritt, dem objektorientierten Design, in ein komplettes Modell umzusetzen. Dazu werden aus der Problembeschreibung und einem Forderungskatalog, die beide in natürlicher Sprache und unabhängig von der Realisierungsumgebung Computer verfaßt sind, die für die Umsetzung erforderlichen Sachverhalte herauskristallisiert. Dabei werden gefundene Begriffe und Sachverhalte kategorisiert in Objekte, Klassen, Beziehungen zwischen Klassen, Attribute von Klassen und Operationen von Klassen.

3.2 Methode

Um das Ziel der OOA zu erreichen und die Strategie möglichst effizient einzuhalten, gibt es unterschiedliche und umstrittene konkrete Vorgehensmethoden. Im folgenden wird nun die umfassendste und einer Lösung am ehesten nachkommende Methode der Object Modelling Technik (OMT7) vorgestellt. Um die Effizienz dieser Methode zu vergrößern, sind an einigen Stellen Erweiterungen aufgezeigt und als solche entsprechend ((Ergänzung)) gekennzeichnet . Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß die Zusätze es der Methode erst ermöglichen auch sauber zwischen Objekten und deren Klassen zu trennen.

3.3 Anzeichen für Analyseelemente

Oft kann schon durch einfache Textanalyse aus einer natürlichsprachlichen Problemspezifikation mit der sogenannten Substantiv-Verb-Methode erkannt werden, welche Klassen und Objekte relevant sind, und wie diese kooperieren. Dabei deutet die Konstruktart bestimmter grammatikalischer Einheiten in der natürlichen Sprache oft direkt darauf hin, als welche Art Element der OOP es bei der Analyse gekennzeichnet werden muß.
 
natürliche Sprachkonstrukte implizieren OO-Elemente(Ergänzung)
Sprachkonstrukt OO-Elemente (Beispiel)Beispiel
Substantive Klassen oder Objekte Bestellung, Artikel, Kunde
Verben / Präpositionen  Beziehungen zwischen Klassen Kunde bestellt Artikel, Artikel zur Bestellung
Substantiv mit Genitiv Attribut einer Klasse Menge der Bestellung, Preis des Artikels 
 
 Anmerkung: Durch Unterstreichen wird das jeweilige Beispielelement hervorgehoben